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Das Raster: Reicht Ästhetik als Prinzip?

In der zweidimensionalen Gestaltung ist spätestens nach den Studien des Bauhauses (Dessau) das Arbeiten mit einem Raster als Grundlage ein wichtiges Mittel, um harmonische Flächengestaltung zu erzeugen. In der Architekturgestaltung arbeitet besonders der amerikanischen Architekt  Richard Meier mit dem Raster, um unter allen Flächen seiner Baukörper einen inneren Zusammenhang herzustellen.

Er erreicht damit, dass jede Fläche und jeder Körper in seiner äußeren Ausgestaltung mit den anderen Flächen und Körpern des Bauwerkes einen gemeinsamen Teiler bilden und somit als harmonisch wahrgenommen werden.

Ein meist quadratisches Raster zieht sich über seine gesamten Bauwerke, wobei die Ecken der Bauwerke auch durch Ecken der Raster gebildet werden. Für den Rohbauer im Übrigen ein große Herausforderung, da er die Rohbaubautoleranzen im Hochbau unterschreiten muss.

In der deutschen Architekturszene arbeitete der Architekt Oswald Unger 
mit dem Quadrat-Raster und hat bei der Bewertung seiner Arbeit die Architektenschaft in zwei Lager getrennt. Vielen, besonders jungen Architekten, muteten Ungers Werke meist monoton an, durch seine typische Art, dass viele Bauten an ihrer Oberfläche quadratisch aufgerastert sind.

Diese Beschreibungen beziehen sich im Besonderen auf die ästhetische Gestaltung, Flächen durch ein zugrunde liegendes Raster in Abhängigkeiten zu bringen. Die Verwendung dieses Systems aus dem Zweidimensionalen, übertragen in die Architektur, ergibt eine Aneinanderreihung von Flächen, die einen Raum bilden. Die Energie des zweidimensionalen ist noch immer wirksam.

Im alten Japan wurde Raum (Washitsu) anders aufgefasst. Grundlage der Gestaltung war eine Matte, die als Bodenbelag in den traditionellen Holzhäuseren diente: die Tatamimatte. Es gab bei den Matten keine einheitliche Größe, allen zu Eigen war allerdings, dass sie bezüglich ihrer Länge zur Breite in einer harmonischen Teilung (ca. 1:2) gefertigt waren.


Durch die jeweilige Größe der Matte stand gleichzeitig die Größe des Raumes fest, um die sich die Außenwände erhoben. Um zwei zentrale Matten in der Mitte des Raumes wurden weitere Matten angeordnet. Bei einer Mattengröße von 191 cm  x 95,5 cm ergibt sich bei der Verwendung von sechs Matten ein Raum von ca. 11m² mit einer Proportion von 3/4.

Acht Matten führen zu einem quadratischen Raum von ca. 14,59 m². 10 Matten bilden eine Fläche von ca. 18,24 m² und einer Proportion von 4/5. Die Anordnung von 12 Matten führt zu einer Fläche von ca. 21,8m² und einer Proportion von 2/3 . Je nach Größe des Raumes ergeben sich verschiedene Proportionen.

Halbiert man die Matte, so wird sie quadratisch und führt mit diesem Quadrat in der Mitte zu weiteren Raumabmessungen weil um die Matte herum die großen Matten gelegt werden können.

„…Das Mobiliar eines Washitsu besteht häufig aus einem niedrigen Tisch, an dem sich die Familie mit Gästen oder zum Essen auf flache Kissen, Zabuton, oder auf niedrige Stühle, die speziell für Tatami vorgesehen sind, setzt. Ein Kotatsu ist ein Tisch, der ein elektrisches Heizelement enthält und oft mit Steppdecken umgeben ist. Im Winter versammelt sich die ganze Familie an diesem Ort der Wärme, da es bei traditionellen japanischen Wohnhäusern nicht üblich (und auch kaum möglich) ist, das gesamte Haus zu beheizen…“ (aus Wikipedia)


Der Raum ist somit relativ leer, von Schiebewänden umgeben, die Bewohner versammeln sich, natürlich ohne Schuhe, um den wärmenden Tisch, der gleichzeitig zur Zubereitung der Speisen genutzt wird. Ein wahrlich spiritueller Augenblick. Nun stellt sich nur die Frage, wie hoch der Raum ist?

„…In der traditionellen Japanischen Architektur wird diese Überlegung durch eine einfache Faustformel wiedergegeben: Die Höhe des Zimmers beträgt 190 cm + 9,4 cm x der Zahl der Tatami in einem Raum)".... (Heinrich Engle, the japan house, Rutland Vermont: Charls E. Tuthl company, 1964 S. 68-71).  9,4 cm entsprechen dabei der Faustgröße des Bewohners.


Sechs Tatami Matten unserer gewählten Größe bilden eine Raumhöhe von 2,46 m. Bei acht Matten wird der Raum 2,65 m hoch. Der Raum mit 10 Matten und einer Größe von ca. 18,7 m² findet nach der Berechung eine Höhe von 2,84 m. Die Raumhöhe klettert über etwas mehr als drei Meter bei 12 Matten und einer Grundfläche von ca. 23 m².


Trotz aller technischen Informationen, die in diesen Artikel eingeflossen sind, hoffe ich, dass Sie eine Gestimmtheit des traditionellen Japanischen Raumes und seiner Atmosphäre mitnehmen konnten.


Die Proportionen dieser Räume beruhen auf der Kraft der Zahlen, verbunden mit dem menschlichen Maßstab. Die Länge der Matten geht von 1,55-1,91 Meter, das könnte der durchschnittlichen Körpergröße entsprechen. Für die Breite der Matte wird dieses Ausgangsmaß halbiert. Wir finden also die Proportion 1:2.

Beim Seminar zum Finden der Proportionen durch das Momochord wird hörbar, dass diese Teilung die angenehmste ist. Neben diesem kraftvollen Rechteck wirkt nun die Zahl der Rechtecke auf den Raum. Gerade Zahlen wirken harmonisch, ungerade Zahlen wirken aktivierend.

Alle Räume ließen sich auch mit quadratischen Tatamis auslegen, die Energie wäre eine andere. Andere Zahlen - und andere Proportionen auf dem Boden.

Nun gibt es ein wirklich erstaunliches Moment. Das Raster wird nicht auch für die Raumhöhe verwandt, sondern es wird ein Grundmaß angenommen, das der Größe eines Menschen entspricht.

Je nachdem, wie privat der Raum ist, variiert seine Höhe mit seiner Größe. Die Anzahl der Matten auf dem Boden wird dabei in einen inneren Zusammenhang mit der Höhe gebracht, indem der Grundhöhe das "Faustmaß" (Anzahl der Matten x Größe einer Faust) hinzugegeben wird.


Diese Vorgehensweise führt uns vor Augen, dass die reine Proportion das ästhetische Empfinden der Menschen befriedigt, aber noch keine lebenswerten Räume für Menschen schafft.

Spirituelle Architektur bezieht den Menschen und seine Maße mit ein.

Im besten Fall nutzt sie die Kraft der Zahlen und eine kleine Dissonanz, um den Raum mit Leben zu erfüllen.