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Innengestaltung folgt der Energie

 

Eine Kirchengemeinde hat mich angesprochen, Grundrissvorschläge zu erarbeiten, um eine Kitaerweitung zu ermöglichen. Ebenso wurde ich gebeten, die vorhandenen Flächen für die verschiedenen Aktivitäten im Gemeindehaus neu zu strukturieren.

Ein Blick in die Vergangenheit
Nachforschungen der Ursprungsform des Ortes haben ergeben, dass sich einst hier ein Rittergut um einen See gruppierte. Als Form ein Halbkreis.

Suchen von Formen
Auffällig an der Lage des einhundert Jahre alten Gemeindehauses ist die dazugehörige Kirche der Gemeinde, die sich direkt vor dem zu beplanenden Bauwerk befindet. Ein Kirchenbauer plante das sakrale Gebäude auf einem sechseckigen Grundstück. Das Kirchenschiff wurde im zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört. Sechs Straßen münden auf den Platz, das Gemeindehaus ist von zwei solchen Straßen umgeben.
Aus der Luft betrachtet ist ein großer Friedhof zu erkennen, der in der Form eines Dreieckes (die Zahl 3 steht im kirchlichen Kontext für die göttliche Trinität – Vater, Sohn, Heiliger Geist) auf den sechseckigen Platz weist.

Gedankengänge eines Kirchenbauers

Es machte Freude nachzuvollziehen, wie sich der Kirchenbauer dem Ort nach der Auftragserteilung genähert hat. Es hat ihn gewiss gefreut, dass die Kraft des Friedhofes, der ein Dreieck bildet, in Richtung des sechseckigen Bauplatzes fließt. Der ewige Frieden, durch Tod und Trauer hindurch erlangt, strahlt auf die neue Kirche ab. Dass der Baumeister mit der Kraft des Sechseckes vertraut war, zeigt sich auch im Inneren des ehemaligen Kirchenschiffs: Die Form, die für Harmonie und Gleichgewicht steht, findet sich auf dem Fußboden als Bodenfliese oder auch in der Form des Turmabschlusses wieder. Die Idee dahinter war, dass über die Verwendung gleicher Formen die Kraft des Ortes erhöht und stabilisiert wird.

Geomantie
Die Suche nach geomantischen Gittern auf dem Platz fördert den Kreuzungspunkt von zwei stark positiven Gittern zutage, am ehemaligen Eingang der Kirche unter dem Turm. Es spricht also alles dafür, dass die Kraft des Turmes an diesem Platz, durch die Energie der Erde erhöht, Harmonie und Gleichgewicht in den Stadtteil senden sollte.

Gemeinschaftlicher Raum geht verloren
Im zweiten Weltkrieg ging durch die Zerstörung des Kirchenschiffes gemeinschaftlicher Raum verloren. Es ist spannend zu sehen, dass vor einigen Jahren ein Cafébesitzer das Erdgeschoss eines ganzen Hauses an dem sechseckigen Platz aufwändig umgestaltete, indem er es aushöhlen ließ, um Raum für eine Lokalität zu schaffen. Zum Erstaunen der Anwohner wird dieses Lokal sehr gut angenommen, das Café ist stets gut gefüllt.

Ansätze für einen Grundrissvorschlag
Die Wahrnehmung des Umfeldes ergibt, dass der frühere Haupteingang des Gemeindehauses, der durch seine Lage auch von der Energie des Friedhofes profitiert, im Moment nicht genutzt wird, da das Haus über etliche weitere Eingänge verfügt. Das Portal des ehemaligen Eingangs ist in seiner Form und seiner Verzierung perfekt ausgebildet. Dieser Eingang soll nach meinem Vorschlag wieder Haupteingang werden.

Was kommt nach dem Eintreten?
Die Baumaßnahmen während der vergangenen hundert Jahre haben den Empfang hinter dem Portal auf einen ca. drei Meter breiten Treppenhausschlauch minimiert. In Anlehnung an die Urzelle des Stadtteils lautet hier mein Vorschlag an die Gemeinde, einen großen halbkreisförmigen Raum entstehen zu lassen, der als behindertengerechter Verteiler für einen geplanten Fahrstuhl und die Büros der Gemeinde fungiert. Gleichzeitig fokussiert dieser konkave Raum die Energie des Ortes und hält den Empfang lebendig. Um in Resonanz mit der Form des Platzes zu treten, ist auch ein Segmentieren des Empfanges in den Winkeln eines Sechsecks denkbar.

Vier Räume für verschiedene Aktivitäten im Obergeschoss
Das Obergeschoss des Gemeindehauses soll vier getrennte Räume beherbergen. Platz ist genug, aber die Belichtungssituation schafft Durchgangsräume. Eine Idee erhielt ihren Impuls aus der Betrachtung des zerstörten Kirchenschiffes. Ich schlug vor, auch im Gemeindehaus einen gemeinschaftlichen Raum entstehen zu lassen. Damit löste sich das Problem eines unbelichteten Flures, indem ein großzügiger, heller Kommunikationsbereich die Verbindung unter den einzelnen Räumen schafft.

Fazit: Planen von außen nach innen
In der Architektur spricht man vom genius loci, dem Geist des Ortes. Gehen wir auf die Suche nach diesem Geist, so wird er sich uns offenbaren. Probleme am Ort, die sich auch im Grundriss zeigen können, finden eine Lösung. Diese Lösung findet der Planer nicht immer durch geradliniges Denken, sondern durch ein intuitives Vorgehen, vielleicht gar durch die Umstülpung des Denkens.